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2006-10-18 FM Breslauer 8

Tuesday, 13.11.1973
Einsatzart: Flugzeugabsturz

Belgischer Kampfjet stürtzt in Gebäude - 5 Personen getötet

Geschrieben von krabbe

Quelle: Kreiszeitung

Twistringen/Mörsen. Es war Dienstag der 13. November. Vor einem Sturm. wie man ihn auf den Tag genau vor einem Jahr erlebt hatte, waren auch die Einwohner der kleinen Gemeinde Mörsen bei Twistringen gewarnt worden. Sie wußten oder ahnten, daß sich am Himmel etwas zusammenbraut". Der Sturm blieb nicht aus. Aber gegen das Unglück, das sich gegen zwölf Uhr mittags ereignete, war er nur noch ein harmloses Unwetter. Wie ein Blitz aus dunklen Wolken stürzte ein belgischer Starfighter auf das Wohnhaus des Landwirts Bernhard Meyer, Mörsen 54. Es gab einen furchtbaren Knall, Flammen schlugen hoch und weithin waren dunkle Rauchwolken zu sehen. Begraben in den Trümmern: Bernhard Meyer, seine Ehefrau Hermine und die beiden Töchter Magdalene und Monika. Dem schrecklichen Ereignis entkommen: der 15 Jahre alte Sohn Bernhard. Er blieb unverletzt und hatte sich bevor das Feuer von dem Wohnhaus Besitz ergriff, aus einer Luke retten können. Von dem Piloten, der in Belgien gestartet war, fanden die Rettungsmannschaften nur noch Leichenteile. Verstreut auf einem Feld und am Unglücksort. Und mitten im Trümmerfeld eine Bibel, die - so ein Offizier der Bundeswehr wahrscheinlich dem Belgier gehörte.

Damit nicht genug: Wenige Minuten später schlug der Tod erneut zu. Der Twistringer Feuerwehrmann Rudolf Göbber (46) wurde von einer einstürzenden Hauswand erschlagen. Fassungslos wurden seine Kameraden Zeugen dieses Vorfalls Er war immer einer der ersten, wenn es galt zu helfen und wir ausrücken mußten", sagte einer der Feuerwehrmänner. Der Dachdecker, der schon seit Jahren der Wehr angehörte, hinterläßt Frau und drei Kinder. Seinen Tod noch vor Augen, kämpften die Feuerwehren aus Twistringen und Umgebung gegen den Brand. Und später rückten Bundeswehr und Technisches Hilfswerk aus Bassum und Syke an. Der Starfighter stürzte mitten in das Wohnhaus. Hier soll, so die ersten Angaben des einzigen Überlebenden, des 15 jährigen Bernhard Mever, der Vater gerade im Flur telefoniert haben, während die Mutter mit den beiden Schwestern in der Küche saß. Wegen der Sturmwarnung waren die Kinder vorzeitig aus der schule heimgekommen Ursprünglich wurden sie erst gegen 13 Uhr von den Eltern erwartet.

Äußerst schwer für die Vertreter der Staatsanwaltschaft gestaltet sich die Feststellung der Identität des Piloten. Angeblich soll er noch versucht haben, über das Wohnhaus zu fliegen. Vielleicht um auf einem Feld zu landen. Soldaten mit umgehängten Gewehren sprangen aus Militärfahrzeugen und versuchten das Gelände abzuriegeln. Sie hatten es schwer gegen das Heer der Menschen. die zum Unglücksort geeilt waren. Mütter hielten ihre Kleinkinder an der Hand. Väter hoben ihre Söhne hoch. "Und sie merkten nicht, wie störend sie bei den Rettungsarbeiten wirkten und wie peinlich ihr Verhalten war.Einige haben gesehen - oder wollen gesehen haben - wie "es geschah". Angeblich waren es vier Flugzeuge, die im Verband flogen. Einer der Augenzeugen: "Plötzlich sah ich, wie der eine qualmte an Höhe verlor und da war es geschehen." Während der Lösch- und Aufräumungsarbeiten taucht eine neue Gefahr für Feuerwehr und THW auf: Die Maschine hatte Munition - scharfe Munition übrigens - an Bord. Und zwischen den Kommandos wird immer wieder ein Explosionsknall laut.Als erstes wurde die Leiche der älteren Schwester geborgen, am Abend die des Vaters. Und zwischendurch wurden die Beteiligten geschockt von drei belgischen Jägern, die ihre Kreise über die Unglücksstelle zogen. Ziemlich tiefe Kreise. Ein Soldat: "Sie wollen ihrem toten Kameraden die letzte Ehre erweisen." Ein alter Fliegerbrauch."Ich war gerade in der Küche, als es passierte", sagte in einem Gespräch mit der "Kreiszeitung" eine Frau, die in unmittelbarer Nachbarschaft wohnt. Sie sah nur einen Feuerschein und hörte es knallen. "Dann brannte alles". Sie weiß weiter zu berichten: "Wenn hier Flugzeuge über uns donnern, wackeln die Wände." Helga Kramer: "Die Kinder kamen mit Gebrüll und Geschrei ins Haus gelaufen". Am Vormittag war ihr großer noch mit Monika Meyer gemeinsam aus der Schule gekommen. Täglich spielten die Kinder miteinander.Helga Kramer selbst hatte wahrscheinlich einen Schutzengel: "Ich sollte heute eigentlich bei Meyers helfen, Rüben zu verladen. Da bin ich oft bis zum Mittag geblieben", sagte die Frau. Nur wenige Meter entfernt von der Bahnlinie geschah das Unglück Schüler Herbert Beuke, seine Eltern haben Bernhard Meyer vorübergehend aufgenommen, sagte: "Ich habe einen Knall gehört und sah dann einen riesigen Feuerball. Einzelteile flogen umher." Er gab zu: "Ich habe an allen Gliedern gebebt." Nachbarin Rita Beuke: "Ringsrum ist freies Land, ausgerechnet in das Wohnhaus muß das Flugzeug stürzen.

Von allen Leuten wird die Familie Meyer als äußerst fleißig und zuvorkommend geschildert. Nach dem Unglück kamen auch die beiden anderen Töchter zur Unglücksstelle, wo Eltern und Geschwister einen tragischen Tod fanden. Sie studieren in Vechta und Münster.Im Laufe des Abends wurden per Hubschrauber auch Mitarbeiter des Verteidigungsministeriums aus Bonn zur Unglücksstelle geflogen. Sie verhängten eine sofortige Nachrichtensperre und ließen das Gelände absichern.Eingeflogen wird außerdem eine belgische Soldateneinheit. Sachverständige wollen heute damit beginnen, nach der Ursache des Absturzes zu forschen. Nach Angaben von Polizeihauptkommissar Bolt sind die Belgier im Tiefflug über das Land geflogen. Ein Postbeamter beobachtete die Staffel und soll ausgesagt haben, daß der Starfighter nach dem Absturz explodierte. Umgekommen ist bei dem Zwischenfall ferner, ein großer Bestand des Schweine- und Rinderviehs.

Suche im Scheinwerferlicht
Die Aufräumungsarbeiten und die Suche nach den Doch nicht geborgenen Opfern des Flugzeugabsturzes hielten bei Redaktionsschluß noch an. Hermine Meyer und ihre Tochter, die sich zum Zeitpunkt des Unglücks in der Küche aufgehalten haben sollen konnten noch nicht gefunden werden. Die Suche wird dadurch erschwert, daß der Starfighter vermutlich hauptsächlich die Küche unter sich begraben hat. Im grellen Scheinwerferlicht räumen die freiwilligen Helfer des Technischen Hilfswerkes und der Feuerwehren Stück für Stück beiseite. Schichtweise wird gearbeitet. Das DRK, unter anderem vertreten auch das Jugendrotkreuz, sorgt dafür, daß die Männer warme Getränke und Brote bekommen. An den Ort der Verwüstung geeilt war auch Bundestagsabgeordneter Peter Würtz

Katastrophenalarm?
S y k e (V)* " Der Landkreis Grafschaft Hoya hat entgegen den Meldungen der Deutschen Presseagentur - nach dem tragischen Unglück von Mörsen keinen Katastrophenalarm gegeben", das erklärte Oberkreisdirektor Dr. Siebert Meyer gestern abend in einem Gespräch mit der Kreiszeitung". Dr. Siebert Meyer: Bereits beim Eintreffen der ersten Meldunge über das Unglück war zu übersehen, daß ein Katastropheneinsatz nicht notwendig war."Mit besonderem Lob bedachte der Oberkreisdirektor den Einsatz der Feuerwehr erwehrmänner, des 'Roten" Kreuzes und' des Technischen Hilfswerkes: Alle haben mehr getan, als man von ihnen erwarten konnte.Das Unglück habe jedoch, so betonte der Oberkreisdirektor mehrere Fragen aufgeworfen, die es jetzt zu klären gelte:

  • Bewegte sich die Flughöhe der belgischen Maschine, die in Eindhoven in Holland gestartet war, in den Grenzen, die für die über den Kreis Grafschaft Hoya führende Tiefflugschneise vorgeschrieben ist?
  • War die Flughöhe der Maschine den extremen Witterungsverhältnissen es herrschte ein starker Sturm mit orkanartigen Außmaßen - angepaßt?
  • Handelte es sich um einen der üblichen übungsflüge?
  • Wenn ja, warum befand sich dann scharfe Munition in dem abgestürzten Flugzeug?

Diese Fragen, so meinte Dr. Siebert-Meyer bedürften unbedingt einer baldigen Klärung


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