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Geschrieben von Cord Krüger
Quelle: Kreiszeitung
TWISTRINGEN (ck) Acht Verletzte, elf Stunden Feuerwehreinsatz, DRK-Bereitschaftsdienst bis spät in die Nacht und verunsicherte Bürger: Ein beim Transport zum Twistringer Postamt beschädigtes Paket mit auslaufender gesundheitsschädlicher Flüssigkeit sorgte gestern für die Alarmierung aller Twistringer und Bassumer Ortswehren sowie weiterer Fahrzeuge aus Syke, Sulingen, Schwaförden und Barnstorf.
Denn für die nötigen Kontrollen von 218 eventuell verseuchten Paketen bei ihren Empfängern benötigten die Twistringer einen großen Fuhrpark. So standen 80 Feuerwehrleute, zwei Notärzte und 27 Rotkreuz-Helfer aus der DRK-Bereitschaft Twistringen sowie der "Schnellen Einsatzgruppe" Nord mit acht Wagen parat. Die Lage hatte sich am Nachmittag zugespitzt, weil der Hersteller die Chemikalie nach kurzfristig gestarteten Praxis-Tests als sehr gefährlich einstufte: "Ein Tropfen soll genügen, um die damit kontaminierten Kartons zur Selbstentzündung zu bringen", erklärte Twistringens Stadtfeuerwehr-Pressewart Jens Meyer.
Um 10.54 Uhr hatten Angestellte über die Rettungsleitstelle Twistringens stellvertretenden Ortsbrandmeister Klaus Krebs zum Postamt gerufen. Sie konnten die Risiken des Leck geschlagenen Behälters im Paket nicht einschätzen. Krebs ließ sich über die Werksfeuerwehr des Absenders BASF Datenblätter zum Produkt faxen - und forderte nach dem Lesen sofort die Gefahrgut staffel "Nord" des Landkreises mit sieben Männern der Feuerwehr Syke an. Zwei Zustellerinnen, die mit der Substanz in Berührung gekommen waren, mussten mit Hautreizungen zum Arzt. "Bei der Flüssigkeit handelte es sich um Vitamin-Präparate, die in dieser Menge gesundheitsschädlich sind", erklärte Krebs. Neben Hautrötungen zählte er Schädigungen während der Schwangerschaft als Nebenwirkungen auf. Also sorgte Krebs dafür, dass niemand in die Nähe des beschädigten Pakets und eines dadurch beschmutzten Kartons geriet.
Unter schwerem Atemschutz packten zwei Twistringer Feuerwehrmänner die Pakete in Plastiksäcke und danach in eine Spezialtonne. Anschließend reinigten sie das Fahrzeug auf dem abgesperrten Platz. Unterdessen kam eine andere Zustellerin mit einem weiteren durchgeweichten Paket von ihrer Tour zurück. "Die Sendungen befanden sich bei der Anlieferung zum Postamt im selben Container wie das beschädigte Paket", berichtete Jens Meyer. "Jetzt war klar, dass wir alle Touren der Boten noch einmal abfahren mussten, um mögliche weitere kontaminierte Post einzusammeln." So rückten weitere Fahrzeuge der Feuerwehrtechnischen Zentralen Barrien und Wehr bleck als Verstärkung der zunächst 22 Twistringer und Rüssener Brandschützer an.
25 Stückgüter erwiesen sich als kontaminiert, 16 davon nahmen die mit Schutzanzügen und Pressluft-Atmern ausgestatteten Brandschützer zur sicheren Entsorgung mit. Einige Empfänger hatten die Päckchen schon berührt und meldeten sich bei Einsatzleiter Frank Kanther von der Gefahrgutstaffel. Ihnen stand unter anderem Kreisfeuerwehr-Arzt Thomas Wichmann zur Verfügung. Später verlegten die Brandschützer und ihre Helfer ihr Lagezentrum vom Krankenhaus ans Feuerwehrhaus. "Akut verletzt sind bisher nur die beiden Postbeschäftigten, bei den anderen blieb es bei einer Untersuchung", zog Kreisfeuerwehr-Pressesprecher Hartmut Specht am Abend ein Zwischenfazit.
Zu diesem Zeitpunkt hatten die Zweier-Teams anhand der Touren-Zettel schon einen Großteil der Sendungen nach den Vorgaben des Lieferanten auf ihre Gefährlichkeit hin überprüft. Heute steht der Rest auf dem Plan. Betroffen sein können aber nur gestern ausgelieferte Pakete von der Deutschen Post und "DHL", so Specht.
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