Gründung der Ortsfeuerwehr Twistringen

Geschrieben von krabbe

Aus den Anfängen der Twistringer Feuerwehr
von Friedrich Kratzsch

Schon vor der offiziellen Gründung einer Turner-Feuerwehr mußten Aufgaben des Feuerschutzes und Löschwesens in unserem Heimatraum wahrgenommen werden. In der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts waren hierfür die Samtgemeinde wie auch die Landgemeinde Twistringen verantwortlich. Eine entsprechende Ausrüstung - nach heutigen Gesichtspunkten sicherlich sehr bescheiden - war vorhanden. Über sie gibt ein "Inventarium" zum Haushaltsjahr 1891/92 Auskunft. Danach befanden sich im Eigentum der Samtgemeinde:

  1. Eine alte Feuerspritze mit den dazu gehörigen Schlauchwerken und sonstigen Utensilien,
  2. Eine Feuerspritze mit Anbringer, Schlauchwerken und Utensilien,
  3. 24 Stück alte lederne Feuereimer,
  4. Einen kl. Schrank im Spritzenhause,
  5. Ein aus Steinfachwerk mit Ziegeln auf Docken erbautes Spritzenhaus.

Die Pumpen mußten durch Muskelkraft bewegt werden. Im Protokollbuch des Twistringer Gemeindeausschusses lautet ein Eintrag vom 27. 9. 1893:

"IV. Bei Bränden sollen in Zukunft zum Pumpen der Feuersprützen Mannschaften gegen Lohn angestellt werden u. zwar im ganzen 18 Mann. Dieselben sollen als Lohn pro Stunde am Tage 30 Pf. u. bei Nacht pro Stunde 40 Pf. erhalten."

Nach einem Beschluß der Samtgemeinde-Vertretung vom 11. Mai 1898 sollten 100 Meter neue Spritzenschläuche beschafft werden sowie eine kleine Pumpe für die vorhandene alte Spritze. An dieser Spritze waren Reparaturen und Verbesserungen vorzunehmen. Es wurde beschlossen, die Trockenstangen beim Spritzenhaus mit eichenen Seitenstücken zu versehen.

Seit je kam und kommt es auch auf Schnelligkeit der Feuerwehr an. Die Feuerspritzen mußten mit Pferdegespannen vor Ort gebracht werden. Um hier einen Anreiz zu geben, bestimmte der Gemeindeausschuß 1898:

"6. Für den Transport der Sprützen bei Bränden im Orte [ Twistringen] wurde für die 1ste Sprütze eine Vergütung von M[ ark] 4 & für die 2te Sprütze eine Vergütung von M 3, aus der Gemeindekasse bewilligt."

Die Twistringer Ortswehr wurde jeweils durch Brandglocke vom Turm der St.-Anna-Kirche oder Signalhorn alarmiert. Ein solches Signalhorn besaß der in Twistringen seine Runde gehende Nachtwächter. In einer Zeit, da man offenes Licht (Petroleumlampen) benutzte, und an einem Ort, in dem noch zahlreiche Häuser mit Stroh gedeckt waren und darüber hinaus an zahlreichen Arbeitsstätten Stroh verarbeitet wurde, galt seine Tätigkeit als unverzichtbar. Doch häufig konnte selbst bei schnellem Eingreifen nicht viel gerettet werden. Wenn Vieh und Mobiliar aus dem Haus geholt werden konnten, war dies zuweilen schon viel. Allzu oft griffen die Flammen eines Feuers rasend schnell um sich.

Eine Polizeiverordnung vom 2. 8. 1901 stellte das Feuerschutzwesen in der preußischen Provinz Hannover auf eine neue rechtliche Basis: Unter anderem war in jeder Landgemeinde eine Ortsfeuerwehr einzurichten und durch Übungen für ihre Aufgaben auszubilden. Geräte und Schläuche waren immer wieder auf ihre Brauchbarkeit hin zu prüfen. An der Spitze der Ortswehr stand ein Brandmeister. Neben der freiwilligen Feuerwehr sah die Verordnung eine Pflichtfeuerwehr vor, die alle 17 - 55jährigen einschloß, mit Ausnahme von Beamten, Gutsvorstehern, Militärpersonen, Geistlichen, Ärzten, Apothekern und Lehrern.

Auf dieser Grundlage beschloß der Samtgemeindeausschuß am 25. 1. 1902:

"1. für den Spritzenverband Twistringen eine freiwillige Feuerwehr zu gründen und die entstehenden Kosten auf die Sammtgemeinde zu übernehmen."

Die sogenannte Turner-Feuerwehr dürfte also nur eine kurze Zeit existiert haben. Für die jetzt gegründete freiwillige Feuerwehr machte sich diesmal der hiesige Kriegerverein stark.

Im Juli 1902 kam ein Ingenieur der Landschaftlichen Brandkasse aus Hannover nach hier, "um die von den Herren Cl. Bellersen und Gebr. Hammann hergestellten Spritzen einer öffentlichen Prüfung und Probe zu unterwerfen. Es waren fünf Spritzen zur Prüfung vorgeführt, zwei große und drei kleinere. Die Prüfung fiel glänzend aus, und übertrafen die Leistungen noch die kühnsten Erwartungen. Die beiden großen schleuderten je 380 Liter per Minute auf eine Strahlweite von 42 bis 44 Meter. Namentlich wurde die bequeme und rasche Reinigung der Ventile belobt. Die drei kleineren funktionierten ebenfalls vorzüglich, sind gar leicht und bequem fortzuschaffen und besonders für kleinere Ortschaften und Brände bestimmt." (Nordstern v. 3. 8. 1902)

Wenig später (9. 10. 1902) entschied der Samtgemeindeausschuß, "die Lieferung von 300 Meter Schlauch zum Preise von à 85 Pf. und dazu gehörige Verschraubungen zum Preise von 6 M. 5 Pf. sowie 4 Meter gummirten Hanfschlauch, 3 1/2 Meter Spiralschlauch für die hiesige freiwillige Feuerwehr dem Kupferschmied Alb. Bellersen hier zu übertragen. Ferner sollen 2 Schlauchwagen und 4 Steigerleitern für die Feuerwehr angeschafft werden. Von der Anschaffung eines Mannschaftswagens wurde vorläufig Abstand genommen. Statt dessen sollen Unterhandlungen mit dem in der Nähe des Spritzenhauses wohnenden Pächter Heinrich Schütte wegen Gestellung von Mannschaftswagen im Bedarfsfalle gegen Vergütung, in die Wege geleitet werden."

Im Januar 1903 hatte "die junge Feuerwehr zum ersten Male Gelegenheit, in Thätigkeit zu treten. Es brannte das Haus des Bäckers Artmann im Genor." Dennoch brannte das Haus vollständig nieder. (Nordstern v. 1. 2. 1903)

Übersicht über tätigkeiten 1903

Am 10. 2. 1903 fand der erste Feuerwehrball bei Gastwirt Joh. Mock statt. Die Mitglieder hatten in Uniform zu erscheinen. (Nordstern v. 8. 2. 1903)

Pflichtfeuerwehr

Die Organisation der Pflichtfeuerwehr am Ort begegnet uns zuerst im Jahre 1904. Damals beschloß der Twistringer Gemeindeausschuß, daß "bei Entstehung eines Brandes sämmtliche Interessenten [ Hauseigentümer] von Twistringen einen Mann zum Pumpen an die Spritze zu stellen haben. Und zwar in der Weise: Daß diejenigen von Haus No 1 bis 110 vom 1 Januar bis 1 April, von Hs No 110 bis 220 vom 1 April bis 1 Juli, von Hs. No 220 bis 330 vom 1 Juli bis 1 October, und der Rest vom 1 October bis 1 Januar verpflichtet sein sollen gegen 3 M. Strafe."

Diese Regelung trat zum 1.1. 1905 in Kraft. Der Mangel, daß die Eigentümer der Hausnummern 110 und 220 in zwei Quartalen dienstpflichtig sein sollten, wurden bald beseitigt. Schon am 2. 10. 1906 beschloß der Ausschuß erneut, in Twistringen durch Ortsstatut eine Pflichtfeuerwehr einzuführen. Darin sollten alle 17 - 50jährigen mit Ausnahme der Post- und Bahnbeamten und derjenigen Hausbesitzer, wo keine männliche Person entsprechenden Alters vorhanden war, erfaßt werden. Am 2. Januar des Folgejahres bestätigte der Ausschuß noch einmal die Pflichtfeuerwehr, jedoch mit der Maßgabe, "daß aus jeder Familie nicht mehr wie ein Mann verpflichtet werden" sollte. Bereits am 18. 3. 1907 wurde der Beschluß dahingehend revidiert, daß nun doch "alle in den genannten Alter verpflichtet werden." Aufgabe der Pflichtfeuerwehr war das Pumpen und das Heranschaffen von Wasser zum Brandherd. Wegen dieser Aufgaben kam es zu Unstimmigkeiten, vor allem wohl deswegen, weil einige glaubten, die Freiwilligen der Feuerwehr würden für ihren Dienst besoldet. Dagegen wurde festgestellt:

"Kein Feuerwehrmann erhält für seine Bemühungen und Arbeitsversäumnis eine Entlohnung, hat vielmehr einen jährlichen Beitrag in die Vereinskasse zu zahlen. Die Feuerwehr ist ferner nur verpflichtet, bei einem Schadenfeuer auf den Ortschaften zu jeder Spritze 6 Mann zu stellen, welche die Spritzen in Betrieb setzen, das Pumpen aber haben die Bewohner der betr. Ortschaft selbst zu besorgen." (Nordstern v. 17. 2. 1907)

Beamte, Lehrer, Ärzte, Geistliche und Apotheker waren wiederum privilegiert. Sie brauchten nicht in der Pflichtfeuerwehr zu dienen. (Nordstern v. 14. 7. 1907)

Bekanntmachung über die Pflichtfeuerwehr

Zum Wasserfahren (in Jauchefässern) wurden 1908 einige Gespannhalter verpflichtet, und zwar jeweils für die erste Jahreshälfte Halbmeier (HM) Gerhard Diekmann, Viertelmeier (VM) Albert Schmidt, VM Franz Buschmann, VM Heinrich Bellersen, VM Christ. Dames Wwe., Pächter Arnold Bavendiek, Hotelier Bernhard Hartjens, Fuhrmann Gerh. Thiede, Eigenhäusler Heinrich Funke, Gastwirt Paul Hammann, Gastwirt Conrad Timmermann, Fabrikant Chr. Meyer Wwe., Friedrich Logemann.

In der zweiten Jahreshälfte sollten diese Fuhrdienste leisten:
Dreiviertelmeier Anton Kuhlmann, Pächter Heinrich Schütte, Vollmeier Bernhard Sieverding, HM Heinrich Meyer, Kötner Heinrich Hammann, Gastwirt Heinrich Hammann, Kötner Bernh. Spils Wwe., Fuhrmann Heinrich Stöver, Ziegeleibesitzer Otto Sunder, Gastwirt Albert Gehrken, Kötner Heinrich Stöver, Brauerei Hermanns, Brauerei Drebber. Hier handelte es sich wohl um Brauerei-Niederlagen, die für den Transport der Bierfässer über Gespanne verfügten.

Wasser in Jauchefässern zum Brandort heranzuschaffen, war auch seinerzeit keine besonders gute Lösung. 1909 taucht in einem Twistringer Gemeindeprotokoll erstmalig der Gedanke auf, einen Wasserbehälter für Feuerlöschzwecke anzulegen, und zwar nahe dem Krankenhaus an der Bahnhofstraße. Zu dieser Zeit nannte die Samtgemeinde übrigens 55 Feuerwehrröcke ihr eigen. Außerdem gehörte ihr jetzt zusätzlich folgendes Feuerwehrgerät:

    • zwei Schlauchwagen mit ca. 500 m Schlauch,
    • ein Schlauchmast mit Winde,
    • drei Feuerhaken.

Die Feuereimer hingegen waren wahrscheinlich ausgemustert worden.

Sogenannte Notpohle, also Teiche für Feuerlöschzwecke, waren hier verschiedentlich vorhanden, u.a. beim Genor. Für das Löschwasserbassin beim Krankenhaus erhielt Ende 1909 Bauunternehmer Willenbrink den Herstellungsauftrag im Wert von 200 Mark. 1913 folgte ein weiterer Auftrag der gleichen Art an ihn über 320 Mark.

Nach der Einführung von Hausnummern, die sich auf Straßenbezeichnungen bezogen (1908), kam es dazu, die Einteilungen zur Pflichtfeuerwehr quartalsweise nach Straßenzügen vorzunehmen. (Nordstern v. 4. 7. 1909 u. später) Die Männer der Pflichtfeuerwehr waren an Armbinden erkennbar.

Der Erste Weltkrieg wirkte sich auf den Feuerschutz am Ort negativ aus. In dem Gemeindeausschußprotokoll vom 8. August 1917 heißt es:

"6. Die Regelung des Feuerlöschwesens soll wegen Mangel an Personal, Materialien etc. bis nach dem Kriege verschoben werde."

Da sich nach diesem Krieg Feld- und Viehdiebstähle häuften, wurde aus den Männern der Freiwilligen wie der Pflichtfeuerwehr zwischen 25 und 60 Jahren eine Bürgerwehr gebildet.

Ende 1919 befürworteten die Gemeindevertreter einen Dringlichkeitsantrag zur Anschaffung einer zweirädrigen Handspritze, und im Jahre 1920 stellten sie fest, "daß die zu leistende[ n] Spanndienste für die freiwillige Feuerwehr geregelt sind."

Im März 1921 ließ der Gemeinderat bekanntmachen, daß bei Bränden den Gespannhaltern der ersten am Brandort eintreffenden Spritze eine Prämie von 160 Mark, den Gespannhaltern der zweiten eine solche von 140 Mark gewährt werde. (Nordstern v. 27. 3. 1921)

Eine Gemeindeausschußsitzung am 1. 12. 1922 beschäftigte sich wiederum mit Feuerwehr-Angelegenheiten:

"3. Zur Anschaffung von 3 Wasserwagen und Fässern von je 1000 Liter Inhalt soll eine Anleihe von 1.500.000 Mark aufgenommen werden, nachdem festgestellt ist, ob dies auf dem Wege des Ortsstatuts möglich ist oder nicht, angenommen. Den Feuerwehrleuten, die nach einem Brande Wache halten, soll ein Stundenlohn bewilligt werden plus 100 % bei Nacht und 50 % bei Tage, gegen eine Stimme angenommen."

Im Februar 1924 erneuerte die Gemeinde noch einmal den Beschluß, Prämien für die Gespanne der Spritzen auszusetzen. Der "Nordstern" vom 17. 2. 1924 gab daraufhin der Hoffnung Ausdruck, es würden "nun hoffentlich Gespanne im Notfall pünktlich zur Stelle sein, zumal auch der Kreis für die Gespanne bei Bränden haftet. Es ist der Wunsch des Gemeinderates, daß beim Ausbruch von Bränden gleich der Feuerwehrhauptmann Chr. Funke (TEL. 154) telephonisch angerufen wird", und an den Ort, wo ein Brand ausgebrochen war, sollten gleich drei mit Wasser gefüllte Jauchefässer gebracht werden. Auf diese Weise hoffte man das teure Schlauchmaterial zu schonen und den Brand am wirksamsten zu bekämpfen.

Im September 1924 feierte man das Stiftungsfest der Freiwilligen Feuerwehr Twistringen und gleichzeitig den 12. Kreisfeuerwehrtag in Twistringen; denn die Verantwortlichen glaubten das 25jährige Jubiläum der Ortswehr zu begehen. Auf dem Festplatz wurde im Rahmen eines "Brandmanövers" eine extra zu diesem Zweck erbaute kleine Hütte in Brand gesteckt und bei Einbruch der Dunkelheit ein großes Feuerwerk abgebrannt. 18 Jubilare, die 25 Jahre lang der Feuerwehr angehörten, wurden an diesem Tage mit einem Diplom geehrt. (Nordstern v. 14. 9. 1924)

Die Informationen über unsere Freiwillige Feuerwehr aus den ersten 25-30 Jahren ihres Bestehens bleiben recht rar. Namen der Männer, die hier für die Allgemeinheit Dienst taten, sind in den Gemeindeprotokollen kaum überliefert, ebenso wenig im Twistringer "Nordstern".

Am 20. 12. 1926 traten 37 Marhorster Männer der Wehr bei. Sie waren offensichtlich die einzigen, die als dörflicher Löschtrupp die Twistringer Feuerwehr, in die sie eingegliedert wurden, unterstützen. In den übrigen Ortschaften der Samtgemeinde waren keine Unterorganisationen zur Brandbekämpfung vorhanden.

Neben der Alarmierung durch Glockengeläut gab es Alarm durch zwei bis drei Männer, die mit dem Rad losfuhren und ein Alarmhorn bliesen, so z. B. der Schuhmachermeister Noll von der Steller Straße. Auch die Signale "Wasser marsch !", "Wasser halt!" usw. wurden durch das Horn gegeben.

Die Feuerschutzverhältnisse in Twistringen bewegten sich weiterhin in einem bescheidenen Rahmen. Erwähnt werden sollte noch die Anschaffung einer Feuersirene im Jahre 1928 (Standort: frühere Kath. Volksschule, Am Markt). Damals verfügte die Ortswehr lediglich über eine große und eine kleine Spritze. 1929 folgten Beschlüsse zur Anschaffung einer ersten Motorspritze sowie eines (motorisierten) Mannschaftswagens. Beide Anschaffungen tauchen dann auch im Inventarverzeichnis der Samtgemeinde zur Haushaltsrechnung 1929/30 auf. Den 1930 von der Feuerwehr gestellten Antrag auf Errichtung eines neuen Spritzenhauses lehnte der Gemeindeausschuß ab. Die Gemeinde befand sich in einer schwierigen Finanzlage. Die in der Zeit des Dritten Reiches erfolgte Förderung des Feuerlöschwesens auch in Twistringen sollte man allerdings unter dem Gesichtspunkt der Kriegsvorbereitung sehen. In dem zu erwartenden Luftkrieg mußte eine gut ausgestattete Feuerwehr für den Schutz der Heimat mitsorgen.

Quellen:
Nordstern-Ausgaben (s. Einzelnachweise)
Stadtarchiv Twistringen: TS 022-1; TW 022-6; TS 913-1; Fotoinfo zu TW 05-9

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